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Fünf Monate bis zur neuen VerkehrsInfo BW, und die Jahre Arbeit, die dahinterstecken

Baden-Württemberg hat jahrelang daran gearbeitet, seine Mobilitätsdaten offen und standardisiert bereitzustellen. Die neue Webplattform VerkehrsInfo BW stand dann in fünf Monaten. Um genau diese Reihenfolge geht es in diesem Projekt.

Die Karte von VerkehrsInfo BW im Oktober 2026 in Stuttgart-Bad Cannstatt, mit Sperrungen, Baustellen und Verkehrslage auf den Straßen und einer geöffneten Verkehrsmeldung zur Elwertstraße

Als wir im März die ersten Gespräche mit der NVBW führten, dachten wir, die Daten würden das Schwierigste. Meistens braucht man Wochen, um herauszufinden, wer welche Daten hat, in welchem Format, wie oft sie aktualisiert werden und ob man sie überhaupt zeigen darf.

Diesmal war vieles davon schon erledigt. Die NVBW betreibt das Datenportal MobiData BW und hat dort über Jahre einen echten Datenschatz aufgebaut: Baustellen, Lkw-Parkplätze, Ladepunkte, Park-and-Ride-Anlagen und Abfahrten in Echtzeit, standardisiert und offen veröffentlicht. Im Projekt haben wir weitere Quellen angebunden. Das Fundament aber stand schon.

Auch wie man die Daten zeigt, war keine neue Frage. VerkehrsInfo BW, ein Dienst des Ministeriums für Verkehr, hatte längst eine Website. Die meisten Bundesländer haben so etwas, und die Angebote aus Hamburg und Bayern haben wir uns vor dem Entwurf genau angesehen. Ein Verkehrsinformationsdienst des Landes ist nichts Neues, er gehört zur öffentlichen Grundausstattung.

Die NVBW wollte eine neue Webplattform auf aktueller Technik: leichter zu pflegen und zu erweitern, quelloffen, damit das Land nicht von einem einzelnen Anbieter abhängt, und konsequent im Corporate Design des Landes. Die alte Plattform sollte Ende Juni 2026 auslaufen, bis dahin sollte die neue stehen.

Zwei Karten der Region Stuttgart nebeneinander: die bisherige Website mit Baustellenzeichen auf einer schlichten Straßenkarte, und die aktuelle VerkehrsInfo BW mit weißer Seitenleiste unter gelbem Kopf und farbig dargestellter Verkehrslage auf allen Straßen

Links die bisherige Website, rechts VerkehrsInfo BW im Oktober 2026.

1. Die Arbeit im Hintergrund

MobiData BW ist das landesweite Mobilitätsdatenportal Baden-Württembergs. Die NVBW betreibt es im Auftrag des Ministeriums für Verkehr. Kommunen und kommerzielle Anbieter liefern ihre Daten über eigene Schnittstellen und in eigenen Formaten. MobiData BW bündelt sie und bringt sie in abgestimmte Standards, Baustellen zum Beispiel in DATEX II. Von dort gehen sie weiter an die Mobilithek, den nationalen Zugangspunkt, über den Kommunen und Betreiber ihre Pflichten aus der EU-Richtlinie zu intelligenten Verkehrssystemen erfüllen.

Links die Startseite von MobiData BW, rechts die der Mobilithek. MobiData BW zeigt Kacheln für die Datenthemen, die Mobilithek eine Suche über 13.266 Datenangebote

Links MobiData BW, rechts die Mobilithek, der nationale Zugangspunkt.

2. Eine API ist keine Karte

Für eine Gruppe sind offene Daten ideal: Logistikunternehmen, Ingenieurbüros, Forschungseinrichtungen, App-Entwickler wie wir. Sie greifen die Schnittstellen ab und bauen sich daraus, was sie brauchen. Alle anderen haben für den Weg von A nach B längst eine Navi-App, und die will VerkehrsInfo BW nicht ersetzen.

VerkehrsInfo BW bietet etwas anderes: das amtliche Bild, direkt von der zuständigen Stelle. Die Straßen, für die das Land zuständig ist, nicht nur die Autobahnen. Dazu Park-and-Ride-Anlagen, Lkw-Stellplätze, Ladestationen, Straßenwetter und Brücken. Landesweit vollständig, kostenlos und aus erster Hand.

Wer die API nutzt, will den vollständigen Datensatz in einer verlässlichen Struktur. Wer vor der Abfahrt kurz nachschaut, will eine Ansicht, die genau eine Frage beantwortet: auf dem Handy, auf dem Parkplatz, um sechs Uhr morgens. Diese zweite Ansicht war unsere Aufgabe. Sie wird oft unterschätzt, weil sie von außen so einfach wirkt.

3. Für wen?

Am Anfang ging es deshalb nicht um Technik, sondern um Menschen. Wer nutzt VerkehrsInfo BW, und wofür? Für jede Zielgruppe haben wir eine Persona entwickelt und sie in einem dreistündigen Workshop mit der NVBW Schritt für Schritt durch die Anwendung geführt. Manche lagen auf der Hand: die Pendlerin, die vor der Abfahrt ihre Strecke prüft, oder jemand, der einen barrierefreien Parkplatz sucht und sich auf die Angabe verlassen muss.

Zwei hatten wir so nicht erwartet. Einen Beamten der Verkehrspolizei, der prüft, ob seine gerade erfasste Meldung auf der öffentlichen Karte angekommen ist. Und einen Disponenten in einem Logistikunternehmen, der seine Touren in der eigenen Software plant. VerkehrsInfo BW nutzt er für Informationen, die seine Software nicht hat, zum Beispiel Einschränkungen an Brücken. Braucht er sie regelmäßig, holt er sich dieselben Daten über MobiData BW direkt in seine eigenen Systeme. Für ihn hat die Plattform ihren Zweck erfüllt, wenn er sie nicht mehr öffnen muss.

4. Wie es aufgebaut ist

VerkehrsInfo BW besteht aus drei Ebenen: den Datenquellen, GOAT in der Mitte und der Webanwendung im Browser. Die meisten Daten kommen von MobiData BW: Baustellen, Verkehrsmeldungen und Umleitungen als DATEX II, Ladestationen über OCPI, Parkdaten über die Park-API. Was dort fehlt, etwa Straßenwetter und Verkehrslage, liefern weitere öffentliche und kommerzielle Quellen.

Systemdiagramm in drei Ebenen von oben nach unten. Oben die Datenquellen: MobiData BW, das Datenportal der NVBW, und weitere öffentliche und kommerzielle Quellen wie Straßenwetter und Verkehrslage. In der Mitte GOAT mit drei Schritten: Abruf mit Windmill-Workflows nach Zeitplan, Aufbereitung mit Cache, Auslieferung über OGC API Features und Tiles als Vektorkacheln. Unten die Webanwendung VerkehrsInfo BW, die die Karte mit MapLibre im Browser zeichnet

Von den Datenquellen über GOAT zur Webanwendung.

GOAT erledigt dazwischen drei Aufgaben. Geplante Workflows in Windmill, der Workflow-Engine hinter GOAT, rufen jede Quelle in ihrem eigenen Takt ab: die Parkdaten jede Minute, selten veränderte Daten einmal am Tag. GOAT verarbeitet und optimiert die Daten und hält sie im Cache bereit. Und es liefert sie über die offenen Standards OGC API Features und OGC API Tiles an das Frontend, als Vektorkacheln (Mapbox Vector Tiles), die MapLibre im Browser sehr schnell zeichnet.

Wer die Karte öffnet, löst also keine Abfrage bei der Park-API oder den Wetterstationen aus, sondern liest bereits aufbereitete Daten. Deshalb ist die Karte schnell, und eine langsame Quelle bremst sie nicht aus.

5. Vier Gestaltungsentscheidungen

Farben, Logo und Schriften kommen aus dem Designhandbuch des Landes. In diesem Rahmen haben wir vier Entscheidungen getroffen.

Die Symbole. Die Bildsprache des Landes war in der kleinen Größe auf der Karte schwer zu erkennen. Deshalb haben wir einfache Symbole gewählt, die sich an Verkehrszeichen anlehnen. Die kennt man schon. Für Brücken und Straßenwetter gibt es kein passendes Zeichen, also haben wir beide gemeinsam entworfen, damit sie auf der Karte gut nebeneinander funktionieren. Nach dem Start hat das Brückensymbol auf Wunsch des Ministeriums noch ein neues Innenzeichen bekommen, das man auf den ersten Blick erkennt. Farbe und Größe sind geblieben.

Die Symbole: rote Warndreiecke für Stau, Baustelle und Gefahrenstelle, ein roter Ring für Sperrungen, gelbe Quadrate für Brücken und Straßenwetter, und blaue Quadrate für Parkhäuser, Lkw-Parkplätze, Behindertenparkplätze, Ladestationen, Park and Ride sowie Parken und Mitfahren

Verkehrszeichen, die alle kennen, dazu die gelben Symbole für Brücken und Straßenwetter.

Die Farben. Wir sind von der Farbpalette des Landes ausgegangen, kamen damit aber nicht aus. Für die Verfügbarkeit von Parkplätzen brauchten wir fünf Farben, die man auf einen Blick unterscheiden kann. Mehrere der ursprünglichen Farben konnten Menschen mit Farbsehschwäche nicht auseinanderhalten, oder sie erreichten nicht den Kontrast, den die WCAG fordern. Wir haben getestet und nachgebessert, bis es gepasst hat. Die Palette des Landes ist trotzdem klar zu erkennen.

Das Parkhaussymbol fünfmal: einmal ohne Punkt, dann mit dunkelrotem, hellrotem, gelbem und grünem Punkt für die Verfügbarkeit

Fünf Zustände, so lange nachgebessert, bis sie auch bei Farbsehschwäche klar zu unterscheiden sind.

Bei der Verkehrslage stellte sich dieselbe Frage noch einmal, mit vier Stufen von gestautem bis fließendem Verkehr. Diese Farben muss man auf einer bewegten Karte im Auto bei Tageslicht sicher erkennen.

Die Zoomstufen. Aus der Ferne will man die Lage im ganzen Land überblicken, aus der Nähe jede einzelne Straße sehen. Deshalb kommen Details erst beim Hineinzoomen dazu. Bei Baustellen zeigt aus der Ferne ein Punkt: Hier ist etwas los. Beim Hineinzoomen wird daraus eine Linie entlang des betroffenen Abschnitts, und man sieht, welches Stück gesperrt ist.

Die Grundkarte war die einfachste Entscheidung, und doch würden wir sie am entschiedensten verteidigen. Wir haben die Grundkarte der NVBW übernommen und nur so angepasst, dass sie im Hintergrund ruhig bleibt. Eine Grundkarte, die selbst spannend aussieht, lenkt von den Daten ab.

6. Keine App, und das mit Absicht

Online gegangen ist VerkehrsInfo BW am 23. Juli 2026, rechtzeitig vor den Sommerferien. Das war etwas später als geplant, weil wir noch auf die Server gewartet haben und es letzte Änderungen gab. Die Anwendung läuft komplett im Browser, auf Smartphone, Tablet und Desktop.

Wer die Plattform öffnet, nutzt automatisch die aktuelle Version. Eine neue Funktion ist sofort bei allen, ohne Umweg über zwei App-Stores und ohne darauf zu warten, dass die Leute ihre Apps aktualisieren. Ein Land betreibt einen solchen Dienst über viele Jahre. Wie Updates bei den Menschen ankommen, ist deshalb eine Frage der Betriebskosten und nicht nur ein technisches Detail.

7. Seit dem Start

Am ersten Tag hatte VerkehrsInfo BW nicht alle denkbaren Funktionen, und das war so geplant. Zuerst musste die neue Plattform alles können, was die alte konnte. Seitdem wächst sie in kleinen Schritten um die Funktionen, die sich die Nutzerinnen und Nutzer wünschen, und weitere kommen dazu. Eine Plattform wie diese ist nie fertig, und das soll sie auch nicht sein. So arbeiten wir bei Plan4Better am liebsten: agil und nah an den Menschen, die die Software nutzen.

Das beste Beispiel ist die Oberfläche selbst. Seit dem 7. Oktober 2026 ist eine komplett eigene Oberfläche online: ein eigenes Frontend im Landesdesign, das die Karte direkt mit MapLibre zeichnet. Sie bündelt, was seit dem Start dazugekommen ist: Umleitungen mit Pfeilen für die Fahrtrichtung, einen Baustellenfilter nach Straße, Ort, Art und Zeitraum mit CSV-Export, die Hervorhebung einer Maßnahme samt ihren Umleitungen, Reisezeitverluste in Minuten und eine Adresssuche.

Drei Smartphone-Ansichten der aktuellen VerkehrsInfo BW: das Menü im Reiter Parken mit eingeschaltetem Park and Ride, eine Karte der Schnellladestationen rund um Stuttgart und eine Verkehrsmeldung zur B27 Neue Weinsteige in Stuttgart

VerkehrsInfo BW im Oktober 2026 auf dem Smartphone, im Browser, ohne Installation.

8. Fünf Monate

Erste Gespräche im März, online am 23. Juli. Dass es so schnell ging, lag nicht daran, dass die Arbeit klein war. Es lag daran, dass große Teile von zwei der drei Ebenen schon da waren: die Daten der NVBW, seit Jahren standardisiert und veröffentlicht, und GOAT, das genau dafür gebaut ist, Geo- und Mobilitätsdaten zusammenzuführen. Neu entstehen mussten die zusätzlichen Quellen, die Themen, die Oberfläche und die Tests, dazu viel Abstimmung, bis alles saß.

Ob das günstiger war als eine andere Lösung, können wir nicht belegen, also behaupten wir es nicht.

Sagen können wir: Was wir entwickelt haben, ist quelloffen und fließt zurück in das Haupt-Repository von GOAT. Und das Ganze läuft auf offenen Standards und offenen Kartenwerkzeugen statt auf Lizenzen. Die Webplattform selbst ist nichts Besonderes. Spannend finden wir, wie sie gebaut ist, und darüber diskutieren wir gerne.

Was bleibt

Für offene Daten wird meist mit dem Nutzen für andere geworben. Wer seine Daten veröffentlicht, ermöglicht Forschung, neue Geschäftsmodelle und mehr Transparenz für Bürgerinnen und Bürger. Das stimmt alles, aber es geht immer um andere.

Dieses Projekt zeigt eine andere Seite. Baden-Württemberg hat seine Mobilitätsdaten standardisiert, damit andere sie nutzen können. Am Ende hat das Land selbst am meisten davon gehabt: Es konnte seinen eigenen öffentlichen Dienst in fünf Monaten neu aufbauen.

Wir fragen uns, wie viele Behörden auf Daten sitzen, die sie als etwas sehen, das sie an andere abgeben. Dabei könnten genau diese Daten die Grundlage für das sein, was sie selbst im nächsten Jahr bauen wollen.

Quellen

  1. MobiData BW, über die Plattform. Betrieben von der NVBW, verkehrsmittelübergreifende Mobilitätsdaten als offene Daten.
  2. MERIDIAN, T5.01 MobiData BW. Zur Standardisierung als Kernaufgabe der Plattform und zur Verbindung mit der Mobilithek und der IVS-Richtlinie.
  3. Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, Pressemitteilung vom 23. Juli 2026 zur neuen VerkehrsInfo BW.
  4. MobiData BW, Baustelleninformationen Baden-Württemberg, in DATEX II.

Häufige Fragen

Was ist VerkehrsInfo BW?

VerkehrsInfo BW ist die Webplattform des Landes für Verkehrsinformationen, ein Dienst des Ministeriums für Verkehr. Sie zeigt die aktuelle Verkehrslage, Baustellen, Parkmöglichkeiten, Park-and-Ride-Anlagen, Lkw-Stellplätze und Ladestationen auf einer Karte, in Echtzeit und kostenlos. Sie ist seit dem 23. Juli 2026 online und läuft ohne App im Browser.

Was ist der Unterschied zwischen MobiData BW und VerkehrsInfo BW?

MobiData BW ist das Datenportal der NVBW. Es sammelt Mobilitätsdaten von Landesbehörden, Kommunen und privaten Anbietern, standardisiert sie und stellt sie offen über Schnittstellen bereit. VerkehrsInfo BW zeigt diese Daten auf einer Karte, für alle, die keine Schnittstelle brauchen. Beide werden von der NVBW im Auftrag des Ministeriums für Verkehr betrieben.

Woher kommen die Daten?

Größtenteils von MobiData BW, wo Daten von Straßenbauverwaltungen, Verkehrsunternehmen, Park- und Ladeanbietern zusammenlaufen. Im Projekt kamen weitere öffentliche und kommerzielle Quellen hinzu, etwa für Straßenwetter und Verkehrslage.

Kann ich dieselben Daten in meiner eigenen Anwendung verwenden?

Ja. Die Daten auf MobiData BW stehen offen zur Verfügung, kostenlos und diskriminierungsfrei.

Könnte eine andere Region so etwas auch bauen?

Ja, wenn die Mobilitätsdaten bereits zusammengeführt und standardisiert sind. Dann ist eine Webplattform darauf eine Frage von Monaten. Sonst muss man bei den Daten anfangen.

Wie lange hat die Umsetzung gedauert?

Rund fünf Monate, von den ersten Gesprächen im März 2026 bis zum Start am 23. Juli 2026. Geplant war Ende Juni. Der Start verschob sich etwas, weil die Server noch fehlten und es letzte Änderungen gab.

Welche Rolle spielt GOAT in diesem Projekt?

GOAT liegt zwischen den Datenquellen und der Webplattform. Es ruft die Daten nach Zeitplan ab, verarbeitet und cacht sie und liefert sie an die Karte aus. Neue Datensätze lassen sich so konfigurieren, statt jedes Mal neu integriert zu werden.

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