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ÖV-Güteklassen berechnen
Ein Radius um die Haltestelle sagt nichts darüber, wie oft dort ein Bus fährt. ÖV-Güteklassen verbinden Entfernung, Takt und Verkehrsmittel zu einer Klasse, die Orte vergleichbar macht. Wir berechnen sie mit GOAT für einzelne Regionen, ganze Bundesländer und ganz Deutschland.

Erschlossen heißt nicht gut angebunden
Eine Haltestelle in 300 Metern Entfernung, an der der Bus zweimal am Tag fährt, gilt oft als erschlossen. Auf dem Papier ist der Ort versorgt. Wer dort ohne Auto zur Arbeit oder zum Arzt kommen muss, erlebt etwas anderes.
Das liegt an der Methode. Die meisten Nahverkehrspläne rechnen mit einem festen Radius um die Haltestelle. Der sagt nichts über Barrieren auf dem Weg und nichts darüber, wie oft dort ein Bus oder eine Bahn fährt. So entsteht ein Bild, in dem fast alle erschlossen sind und trotzdem viele schlecht angebunden.
Wie groß diese Lücke ist, zeigt der ÖV-Atlas der Agora Verkehrswende. Rund 21 Millionen Menschen in Deutschland sind schlecht oder gar nicht an den öffentlichen Verkehr angebunden, gut ein Viertel der Bevölkerung. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern erreichen 77 Prozent die beiden besten Güteklassen. In Gemeinden unter 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist es 1 Prozent.
Aufgabenträger, Verkehrsverbünde und Verkehrsunternehmen, Kommunen, Landkreise und Planungsbüros brauchen deshalb ein Maß, das Nähe und Angebot zusammen bewertet. Damit finden Sie unterversorgte Gebiete, etwa für den Nahverkehrsplan. Sie sehen, was eine geplante Angebotsänderung für die Anbindung bedeutet. Und Sie können neue Entwicklung dorthin lenken, wo das Angebot schon besteht. In der Schweiz legen Gemeinden mit den Güteklassen sogar fest, wie viele Parkplätze gebaut werden: Wo der öffentliche Verkehr besser ist, sind weniger erlaubt. Österreich verknüpft seine Parkvorschriften ähnlich mit der ÖV-Erschließung.
So funktionieren ÖV-Güteklassen
Die Methode stammt aus der Schweiz. Das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) hat sie entwickelt, die VSS-Norm SN 640 290 legt sie fest, und auch in Österreich ist sie in der Raumplanung verbreitet. Die kurze Definition steht in unserem Glossar. Hier geht es um die Rechnung dahinter.
Sie läuft in zwei Schritten. Zuerst erhält jede Haltestelle eine Kategorie. Die hängt davon ab, welches Verkehrsmittel dort hält und wie dicht der Takt ist. Die Bahn zählt mehr als die Straßenbahn, die Straßenbahn mehr als der Bus. Grundlage ist der Fahrplan eines typischen Werktags zwischen 6 und 20 Uhr.
Dann erhält die Umgebung jeder Haltestelle eine Güteklasse. Je näher ein Ort an einer Haltestelle mit hoher Kategorie liegt, desto besser ist seine Klasse. Wer in angemessener Entfernung kein Angebot mit mindestens zweistündigem Takt erreicht, bekommt keine Klasse.
Den Rahmen setzen die Länder unterschiedlich um. Die Schweiz arbeitet mit vier Klassen und misst die Entfernung als Puffer um die Haltestelle. Österreich arbeitet mit sieben Klassen und misst entlang des tatsächlichen Straßennetzes. Für den ÖV-Atlas 2026 haben wir die Klassen A bis F berechnet.
Wichtig ist auch, was eine Güteklasse nicht sagt. Sie beschreibt das Angebot am Wohnort, nicht die Reise. Über Pünktlichkeit, Auslastung oder die Reisezeit zum Ziel sagt sie nichts aus.
Die vollständige Methode, was der Standard offenlässt und die Ergebnisse für Deutschland stehen in unserem Whitepaper zur ÖV-Erschließung. Sie können es weiter unten auf dieser Seite herunterladen.
ÖV-Güteklassen in GOAT berechnen
In GOAT finden Sie ÖV-Güteklassen als eigenes Werkzeug unter den Erreichbarkeitsindikatoren. Sie wählen Tag und Zeitfenster frei, zum Beispiel den Werktag von 6 bis 20 Uhr oder die Abendstunden. Jede Haltestelle erhält aus Verkehrsmittel und Takt eine Kategorie von I bis VII. Die Entfernung messen Sie entweder als Puffer oder als Isochrone, die dem tatsächlichen Wegenetz folgt. So zählen Umwege und Barrieren mit, die ein Radius übersieht. Wie Sie das Werkzeug einstellen, beschreibt die GOAT-Dokumentation.
Grundlage sind Fahrplandaten im GTFS-Format. Legen Sie das Ergebnis über Bevölkerungsdaten, sehen Sie, wie viele Menschen in welcher Klasse wohnen, für jede Gemeinde und jeden Kreis.
Für die Agora Verkehrswende haben wir die ÖV-Güteklassen für ganz Deutschland berechnet, auf dem 100-Meter-Raster des Zensus 2022 und mit den bundesweiten Fahrplandaten aus DELFI. Ausgewertet wurde das über 16 Wochen häufigste Tagesangebot je Linie, damit Sonderfahrten oder Ferienfahrpläne das Ergebnis nicht verzerren. Heraus kam ein vergleichbarer Wert für rund 11.000 Gemeinden und 400 Kreise, der sich jedes Jahr fortschreiben lässt. Mit der TU Wien und der KCW haben wir die Güteklassen für ganz Österreich berechnet. Für die NAH.SH haben wir in Schleswig-Holstein auch die On-Demand-Verkehre einbezogen.
Sie können die Berechnung selbst in GOAT durchführen oder uns die Analyse für Ihr Gebiet übernehmen lassen. Die Projekte dazu finden Sie direkt unter diesem Text.
Aus unseren Projekten

- Mobilitätsplanung
ÖV-Güteklassen für ganz Deutschland: der ÖV-Atlas 2026
Für die Agora Verkehrswende haben wir die ÖV-Güteklassen für ganz Deutschland mit GOAT berechnet, auf dem 100-Meter-Bevölkerungsraster des Zensus 2022.
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- Mobilitätsplanung
Berechnung ÖV Güteklassen Deutschland
Zur Bewertung der ÖPNV-Angebotsqualität wurden die ÖV-Güteklassen für ein deutsches Bundesland berechnet.
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- Mobilitätsplanung
Berechnung ÖV Güteklassen Österreich
In Kooperation mit der TU Wien wurden die ÖV-Güteklassen für das gesamte Land Österreich berechnet.
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- Mobilitätsplanung
Berechnung der ÖV-Güte 2025 Schleswig-Holstein
Für die NAH.SH haben wir die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) in Schleswig-Holstein bewertet und dabei sowohl klassische Linienverkehre als auch On-Demand-Verkehre berücksichtigt.
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Häufige Fragen
Was sind ÖV-Güteklassen?
ÖV-Güteklassen bewerten, wie gut ein Ort mit öffentlichem Verkehr angebunden ist. Sie verbinden die Entfernung zur nächsten Haltestelle mit dem Takt und dem Verkehrsmittel dort. Weil die Methode standardisiert ist, bedeutet eine Klasse in jeder Region dasselbe.
Welche Daten braucht man für die Berechnung der ÖV-Güteklassen?
Vor allem Fahrplandaten im GTFS-Format, für Deutschland zum Beispiel die bundesweiten Daten aus DELFI. Wer wissen will, wie viele Menschen in welcher Klasse wohnen, braucht zusätzlich Bevölkerungsdaten wie das 100-Meter-Raster des Zensus 2022 und Verwaltungsgrenzen.
Kann ich ÖV-Güteklassen selbst in GOAT berechnen?
Ja. GOAT hat dafür ein eigenes Werkzeug namens ÖV-Güteklassen. Sie wählen Tag und Zeitfenster und entscheiden, ob die Entfernung als Puffer oder als Isochrone entlang des Wegenetzes gemessen wird.
Was ist der Unterschied zwischen ÖV-Güteklassen und einem Radius um die Haltestelle?
Ein fester Radius sagt nichts über Barrieren auf dem Weg und nichts darüber, wie oft an der Haltestelle ein Bus oder eine Bahn fährt. ÖV-Güteklassen bewerten Takt und Verkehrsmittel mit. Mit Isochronen folgt auch die Entfernung dem tatsächlichen Wegenetz.
Lassen sich On-Demand-Verkehre in die ÖV-Güteklassen einbeziehen?
Ja. Für die NAH.SH haben wir 2025 in Schleswig-Holstein Linienverkehre und On-Demand-Verkehre gemeinsam ausgewertet, auf Basis von Fahrplandaten, Bedienzeiten und Haltepunkten. Die On-Demand-Angebote verbesserten dort die Erschließung.

ÖV-Erschließung
ÖV-Güteklassen erklärt: wie sie berechnet werden, was der Standard offenlässt und wie sie sich für jedes Gebiet aus Fahrplandaten ermitteln lassen.
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